Die Göllsdorfer Saukirbe

Zum genauen Entstehungsjahr der Göllsdorfer Saukirbe

 

Zur Göllsdorfer Kirchweih wurde im Rottweiler Anzeiger schon 1851 geladen.

Diese Kirchweih war ursprünglich ein religiöses Fest, wie sie in vielen Orten gefeiert wurde. Heute spielt der religiöse Ursprung meist eine untergeordnete oder gar

keine Rolle mehr. Aus diesen Kirchweihfesten sind im Laufe der Zeit die heute bekannten Kirmes, Erntedank oder Kirbefeste entstanden.

 Man kann diese frühere Kirchweih, die in Göllsdorf meist zu einem Sondertermin, 

und nicht zum landesüblichen Termin gefeiert wurde, als ein Geburtsfest ansehen,

aus der dann die Göllsdorfer Saukirbe entstanden ist.

Vermutlich wäre die Saukirbe wie wir sie heute kennen, ohne diese Sondertermine der Kirchweih, erst gar nicht entstanden.

Zur Saukirbe erstmals öffentlich eingeladen, hat im Jahre 1925 der damalige Wirt Namens Grimm vom Gasthaus zur Linde, weshalb als eigentliches Entstehungsjahr das Jahr 1925 angesehen werden kann. 

 

Seit 1958 findet die Saukirbe regelmäßig, bis auf vier Ausnahmen in den Jahren 1982, 1987, 1998 und 2017 alle 2 Jahre statt.

Im Jahr 2015 wurde die Saukirbe 90 Jahre alt.   

Erste offizielle Erwähnung der Saukirbe im Schwarzwälder Volksfreund vom 26.09.1925

Geschichte der Saukirbe

Im grossen Schwäbischen Wörterbuch von Hermann Fischer ist zu lesen, der Begriff Saukirchweih oder Saukirbe bedeute einmal Metzelsuppe und daran anschließend auch wüstes Treiben, dann aber werde er abschätzig für die von der württembergischen Regierung an Stelle der Kirchweihen der einzelnen Orte auf den dritten Oktobersonntag gelegte allgemeine Kirchweih gebraucht, für die noch kräftiger die Ausdrücke Sauallerwertskirbe oder Fresskirbe benutzt würden.

So zutreffend solche Ausführungen sein mögen, so wenig können sie Klarheit über die Anfänge und den Grund für den Sondertermin der Göllsdorfer Kirchweih verschaffen, die in dem sonst hervorragend dokumentierten Fischerschen Wörterbuch selbst nicht erwähnt wird.

Was lässt sich über Anfänge, Sinn und Termin der Saukirbe ermitteln?

 

Die Anfänge

Man bezeichnet die Göllsdorfer Saukirbe als ein ins 19. Jahrhundert zurückreichendes Herbst und Heimatfest.

An Hand von Zeitungsanzeigen aus dem letzten Jarhundert lässt sich diese allgemein gehalte Angabe unschwer präzisieren.

So lud man schon 1851 zur „Göllsdorfer Kirchweih“ ein. Auffallenderweise galt diese Einladung für Donnerstag, den 23. Oktober, das heisst auf jeden Fall für einen Termin nach dem Kirchweihsonntag, der auf den 14. Oktober oder den Sonntag danach gelegt war und damit meist am dritten Sonntag im Oktober gefeiert wurde.

1851 wäre dafür der 19. Oktober der richtige Termin gewesen.

Somit ist festzuhalten, dass Göllsdorf schon um die Mitte des 19. Jahrhunderts seine Kirchweih nicht am landesüblichen Termin feierte, sondern etwas später. 

Der Grund dafür könnte gewesen sein, dass der Weihtermin der 1726 erbauten Göllsdorfer Franz Xaver Kirche auf ein Datum Ende Oktober fiel, und man von ihm ungern auf den allgemeinen Kirchweihtermin übergehen wollte, der verbindlich geworden war seit das Dorf am Fusse des Dissenhorn mit Rottweil 1802 zum Herzogtum Württemberg gekommen war.

Eine andere Erklärung für den Sondertermin der Kirchweihe in Göllsdorf wäre,

daß Göllsdorf im 19. Jahrhundert noch zur Pfarrei von St. Pelagius in Rottweil-Altstadt gehörte. Es wäre denkbar, dass die Kirchweihe der Göllsdorfer Filialkirche von St. Pelagius am nächst möglichen Termin nach dem entsprechenden Fest in der Mutterkirche begangen wurde.

Auf jeden Fall steht fest, dass die frühesten Belege für die Göllsdorfer Kirbe einen Termin bezeichnen, der mit üblichen Kirchweihtermin nicht zusammen fällt.

Versteht man den Ausdruck „Saukirbe“ nun in dem Sinn, dass hier ein „Gegenfest“ nach dem offiziellen Kirchweihfest gemeint war, so wäre eine Erklärung für den Namen des beliebten Volksfestes gefunden, der aus seinem verspäteten Termin abzuleiten wäre. Allerdings setzte sich der Sondertermin der Göllsdorfer Saukirbe nicht so ohne weiteres durch. 1856 wurde wieder zum üblichen Kirchweihtermin gefeiert. 1859 dagegen fand sie am 23. Oktober, und damit dem vierten Oktobersonntag statt.

Wenn die entsprechende Anzeige in der Zeitung sogar auf den Kopf gestellt erscheint, so kommt dadurch zweifellos zum Ausdruck, dass die Göllsdorfer ihre Kirchweih als etwas darstellen wollten, das dem landesüblichen als verbindlich betrachteten Jahresablauf zuwiderlief. Auch 1860 feierte Göllsdorf seine Kirchweih nicht am gewöhnlichen Termin, sondern wiederum erst am 4. Oktobersonntag,

der auf den 28. Oktober und damit besonders spät viel, dies geht jedenfalls aus der wohl frühesten Anzeige eines Göllsdorfer Wirtshauses, mit welcher Bühler zur Sonne aus Anlass der Kirchweih für seinen guten neuen Wein warb. Bis 1877 hat sich dieser Termin für die Göllsdorfer Kirchweih dann durchgesetzt, denn danach lassen sich keine Termine für das Fest am dritten Oktober Sonntag mehr nachweisen.

 

Gefördert worden sein soll das Fest in den folgenden Jahrzenten aus naheliegenden Gründen von den zahlreichen Rottweiler Bierbrauereien. Als sie bis auf die Pfauen Brauerei und die Pflug Brauerei verschwunden waren, und nachdem eben die größte Not des Ersten Weltkrieges und der Inflation überwunden war, kam dann 1924 der entscheidende Durchbruch für die Göllsdorfer Kirchweih, als erstmals ausführlich über sie in der Zeitung berichtet wurde, und nicht nur die obligatorischen Wirtshausanzeigen, in diesem Jahr von Bader zur Sonne, Mauch zur Krone und Grimm zur Linde erschienen.

Der unbekannte Journalist der damals das Fest, noch als Göllsdorfer Kirchweih erwähnt, hat für die Zeitung sozusagen die Kirchweihe salonfähig gemacht, und er lobte ihren Verlauf in den höchsten Tönen und sprach sogar vom Göllsdorfer Oktoberfest. Begeistert war er vom Kinderfestzug, und vom Festreiter auf dem Prachtochsen, der riesigen fetten Kirchweihsau, den Schwarzwaldreben die der Radfahrverein präsentierte, und dem Hammeltanz der Kleinen.

 

Die Saukirbe hatte in der Zeit zwischen den Weltkriegen alle Anfangsschwierigkeiten längst erfolgreich überwunden. Aber während sie sich immer glanzvoller entwickelte, vor allem auf Grund des jeweils um 14 Uhr am Sonntagnachmittag begonnenen Festzuges, wurden auch bereits Dinge wieder vergessen, die im 19. Jahrhundert zu ihr gehört haben.

Hier ist vor allem ein Lied in Mundart zu erwähnen, das nach dem Ersten Weltkrieg schon wieder weitgehend unbekannt war, und 1936 in der Nationalsozialistischen Volkszeitung übermittelt wurde.

 

Es lautet folgendermaßen:

 

Hymne an Göllsdorf

Altes Saukirbelied

 

In dr Lacha batschet Krotta,

d´Mucka krabblet an der Wand

Göllsdorf du bisch´s schönste Dörfle

weit und breit im Schwobaland.

 

Mit der Kunst, Musik und Bildung,

Herr, do simmer vorne dra,

guckat nu bei der Hanin doba

unser Dorfarrestle a.

 

Gont doch mir mit Asphaltplaster,

mit Zement und Plättle weg,

nix goht über unsern weicha,

diefa, dicka Stroßadreck.

 

Ein weiteres altes Saukirbelied das in den 1950er Jahren vom damaligen Lehrer Häsler und Schülern der Grund und Hauptschule entstand: 

 

Saukirbe ist in unsrem schön Dorf,

alt und jung sind voll Schwung.

Saukirbe, Saukirbe macht die Kiachle,

Kugel Kugel Rund.

 

Steil stehts Dissenhorn auf Felsengrund,

wird auch heute wieder mit uns jung.

Dissenhorn, Dissenhorn,

Dissenhorn dich hab ich auserkorn.

Dissenhorn, Dissenhorn,

wo ich geborn.

 

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